Evangelische Freikirche Fuldatal

Jahreslosung 2021

„Seid barmherzig, wie auch euer Vater barmherzig ist.“

(Lukas 6, Vers 36)

Bibel besser verstehen...

202004BildIrrtuemer

Wie einzigartig ist die Bibel?

Irrtümer der Bibelauslegung #08

Die Bibel ist ein Buch, dessen Texte Jahrtausende alt ist und doch sprechen diese in unser Leben hinein. Doch beim Lesen der Bibel stehen wir vor der Herausforderung diese uralten Texte richtig auszulegen. Das kann durch Veränderungen in der Sprache, Kultur und meiner eigenen Lebenssituation eine echte Herausforderung werden. Diese Artikelreihe geht auf gebräuchliche Irrtümer der Bibelauslegung ein.

In christlichen Kreisen hört man gelegentlich die Aussage „Die Bibel ist Gottes Wort.“ Und Menschen, die christlich geprägt sind, ahnen schnell, was gemeint ist. Die biblischen Texte haben eine Autorität, die über anderen bekannten – auch religiösen – Texten steht. Im evangelisch geprägten Raum haben sie sogar die letzte Autorität. Das Problem taucht jedoch im Detail auf, wenn man fragt, was denn damit konkret gemeint sei. Hat Gott die biblischen Texte diktiert? Haben sie sich einfach als besonders segensreich herausgestellt? Was macht die Einzigartigkeit der biblischen Texte eigentlich aus?

Zweifelsfrei sind biblische Texte einzigartig. Von rund vierzig Autoren verschiedener kultureller Prägung wurden sie über einen Zeitraum von Jahrhunderten, sogar Jahrtausenden verfasst. Und sie bilden eine seltsame Einheit. Nicht nur bauen sie zum Teil chronologisch aufeinander auf, wie das beispielsweise bei 1.Mose bis 2.Könige der Fall ist, und erzählen somit die Geschichte Gottes mit seinen Menschen, sondern sie lassen sich auch inhaltlich meist gut zueinander fügen. Welche weitere Einzigartigkeit zeichnet sie nun aus?

Paulus schreibt einmal: „Lasst euch nicht verführen! Schlechter Umgang verdirbt gute Sitten“  (1.Korinther 15,33). Wohl wahr, möchte man sagen. Wir sagen landläufig: „Sag mir, wer deine Freunde sind, und ich sage dir, wer du bist.“ Die Mitmenschen, die uns sympathisch sind oder die wir wertschätzen, haben für uns eine starke Prägekraft. Ein weiser Christ sucht sich seine Freunde gut aus. Wir fühlen uns beim genannten Bibelvers in unserem Bild der Einzigartigkeit der Bibel bestätigt. Wenig bekannt ist jedoch, dass diese Aussage keine Formulierung des Paulus ist, sondern wohl des griechischen Dramatikers Euripides (5. Jhd. v.Chr.) und trotzdem steht sie in der Bibel. Zu Unrecht schließt mancher daraus, dass deswegen die Bibel doch nicht einzigartig sei.

Zuerst einmal muss festgehalten werden, dass das Zitieren eines griechischen Schriftstellers die große Ausnahme ist und nicht Mitte der Texte darstellt. Fast alle Zitate des Paulus, und es sind mehrere Hundert, stammen aus dem Alten Testament. Erst darüber hinaus stellt sich die Frage nach der Einzigartigkeit biblischer Texte. Was macht sie nun aus? Die Antwort ist recht schnell gefunden: „Alle Wahrheit ist Gottes Wahrheit“. Wenn ein Mensch, der Gott nicht nachfolgt, die Wahrheit mit positiver Motivation sagt, ist sie trotzdem gut und segensreich. Der ursprüngliche Autor mag für das heutige Urheberrecht von zentraler Bedeutung sein, nicht aber für den Sinn der Aussage. Euripides hat etwas richtiges erkannt und Paulus übernimmt diese Aussage – und damals war es im Gegensatz zu heute nicht notwendig den ursprünglichen Autor zu nennen – weil sie einfach nur wahr ist. Die Einzigartigkeit der biblischen Texte besteht also in ihrem Wahrheitsgehalt, nicht in erster Linie in der geistlichen Autorität ihrer Verfasser. Gute Freunde stärken Christen in ihrem Vertrauen zu Gott.

Was können wir als Christen aus diesen Beobachtungen für unser Bibellesen lernen? Zuerst, dass die Bibel auch eine menschliche Seite hat. Gott hat den Verstand und die Begabung der Autoren nicht ausgeschaltet, als sie die biblischen Texte schrieben. Es ist wertvoll biblische Autoren miteinander zu vergleichen, wo sie über gleiche Themen schreiben, weil sie unterschiedliche Aspekte der großen, ganzen Wahrheit bedenken. Darüber hinaus sollten wir uns von unserem Schwarz-Weiß-Denken und unseren gedanklichen Schablonen verabschieden. Es stimmt, dass es am Ende der Zeit nur noch Schwarz und Weiß geben wird, entweder wird man bei Gott sein oder eben nicht. Doch wir leben in einer Welt in der Gute Böses und Böse auch Gutes tun. Begegnen wir jedem Menschen und jeder Situation in ihrer Besonderheit, so wie Jesus es getan hat.

Marc Pietrzik

Monatslosung August 2021

„Neige, HERR, dein Ohr und höre! Öffne, HERR, deine Augen und sieh her!"
2 Kön 19,16 (E)

 

Keine Veranstaltung im Kalender vorhanden

Termine und

Veranstaltungen

*****************

 

August 2021
Mo Di Mi Do Fr Sa So
1
2
3
4
5
6
7
8
9
10
11
12
13
14
15
16
17
18
19
20
21
22
23
24
25
26
27
28
29
30
31

Wir nutzen Cookies auf unserer Website. Einige von ihnen sind essenziell für den Betrieb der Seite, während andere uns helfen, diese Website und die Nutzererfahrung zu verbessern (Tracking Cookies). Sie können selbst entscheiden, ob Sie die Cookies zulassen möchten. Bitte beachten Sie, dass bei einer Ablehnung womöglich nicht mehr alle Funktionalitäten der Seite zur Verfügung stehen.