Evangelische Freikirche Fuldatal

Jahreslosung 2021

„Seid barmherzig, wie auch euer Vater barmherzig ist.“

(Lukas 6, Vers 36)

Bibel besser verstehen...

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Weihnachten mal im Sommer

Irrtümer der Bibelauslegung #07

Die Bibel ist ein Buch, dessen Texte Jahrtausende alt ist und doch sprechen diese in unser Leben hinein. Doch beim Lesen der Bibel stehen wir vor der Herausforderung diese uralten Texte richtig auszulegen. Das kann durch Veränderungen in der Sprache, Kultur und meiner eigenen Lebenssituation eine echte Herausforderung werden. Diese Artikelreihe geht auf gebräuchliche Irrtümer der Bibelauslegung ein.

Wir gehen stark auf den Sommer zu und die wenigsten denken derzeit an Weihnachten. Doch gerade dieses scheint ein guter Augenblick zu sein, unser Verständnis von Weihnachten mal auf den Prüfstand zu stellen. In unseren Köpfen schwirren nämlich Bilder von einer vergeblichen Herbergssuche – übrigens nicht, weil Josef keinen vollen Impfschutz hatte – und einem fast idyllischem Stall mit, in dem Ochs und Esel sich „Guten Tag“ sagen und doch draußen klirrende Kälte vorherrscht. Wagen wir uns mal an eine Sichtung unserer Bilder heran. Die Suche eines Gasthauses, das ein Bett frei hat, gab es so nicht. Erstens ist es höchst unwahrscheinlich, dass der kleine Ort Bethlehem überhaupt ein Gasthaus besaß. Zweitens benutzt Lukas in seiner Beschreibung der Weihnachtsereignisse nicht das typische Wort für ein Gasthaus (Lukas 2,7) wie er es durchaus im Gleichnis vom Barmherzigen Samariter tut (Lukas 10,34), sondern meint hier ein für damalige Zeiten typisches Gästezimmer eines Privathauses mit gesondertem Eingang. Drittens ist zu bedenken, dass Josef sicher Verwandtschaft in Bethlehem hatte, denn die Menschen zogen meist nicht weit von der eigenen Großfamilie weg. Josef mit Wohnsitz in Nazareth war also eher die Ausnahme als die Regel. Selbstverständlich hat er bei seinen Verwandten um einen Schlafplatz gebeten und dort war eben das Gästezimmer auf Grund der Volkszählung belegt. Viertens: Es gab keinen Stall wie wir ihn uns oft vorstellen. Bethlehem war eine ländliche Gegend, in der es hauptsächlich einfache Bauernhäuser, die am Hang gebaut waren, gab. In diesen Häuser gab es, was übrigens archäologisch gut belegt ist, zwei Ebenen. Die obere Ebene war der Wohnraum für die Kleinfamilie, auf der unteren wohnten nachts die Nutztiere, beispielsweise Ziegen. Das war ein Schutz vor Diebstahl und brachte in die kühlen Nächte etwas zusätzliche Wärme. Matthäus übrigens erzählt schlicht und doch sehr treffend von einem Haus, nicht von einem Stall (Matthäus 2,10). Fünftens: Im Alten Vorderen Orient bestand eine hohe Solidarität mit Gebärenden, denn Krankenhäuser gab es nun einmal nicht. Sicher wären Menschen bereit gewesen die gebärende Maria in ihr Haus aufzunehmen und ihr nicht einen zugigen Stall als Ort der Niederkunft zuzumuten. Sechstens: Bei der Krippe handelte es sich nicht um einen größeren Stallgegenstand wie wir ihn aus deutschen Mischwäldern kennen, sondern um eine Einlassung in der oberen Ebene des Hauses.

Jesus wurde also nicht in aller Armut geboren, sondern in der Umgebung einer schlichten Familie; nichts besonderes, aber auch nichts tragisches. Es ist recht wahrscheinlich, dass die Frau des Hauses bei der Geburt assistiert hat und die Männer nach draußen geschickt wurden. Jesu Armut rührt vielmehr daher, dass er seine himmlische Herrlichkeit verlassen hat und Mensch wurde.

Was können wir aus diesen Beobachtungen für unser Bibellesen lernen? Wir müssen lernen, unsere Vorstellungen nicht den biblischen Texten überzustülpen. Es ist immer wieder zu fragen, was die ursprüngliche Bedeutung der Texte war. Hier dürfen wir, und dieses hoffentlich bald wieder in Präsenzform, einander ergänzen.

Marc Pietrzik

Monatslosung Juni 2021

„Man muss Gott mehr gehorchen als den Menschen."
Apg 5,29

 

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